Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen wie Bitcoins & Co.

Bitcoins & Co. im Höhenflug

Durch den rasanten Kursanstieg des Bitcoins und anderer Kryptowährungen wie Ethereum, Ripple, Litecoin oder Dash haben diese große mediale Aufmerksamkeit erhalten. Die Blockchaintechnologie wird von vielen als zukunftsweisend angesehen. Im Laufe der letzten Jahre haben immer mehr Personen Kryptowährungen gehandelt, getauscht oder damit bezahlt. Auch das Schürfen von Blocks wird nicht nur von großen Investoren betrieben sondern auch von IT-affinen Personen im Privatbereich. Dabei stellen sich gleich mehrere Fragen. Zum einen die Frage, ob eine gewerbliche oder private Tätigkeit vorliegt und zum anderen, ob und ggf. wie Gewinne und Umsätze besteuert werden. Wir geben Antworten.

Steuerliche Risiken in Zusammenhang mit dem Handel bzw. Schürfen von Kryptowährungen

Die Finanzämter gehen in der Regel davon aus, dass Gewinne steuerpflichtig sind. Da bekannt ist, dass viele Bitcoin-Anleger erhebliche Gewinne erzielt haben, könnten die Finanzämter Sammelauskunftsersuchen an die Handelsplattformen stellen und so Informationen über die Händler und deren Gewinne erlangen. In den USA wurde bereits darüber berichtet, dass eine bekannte Handelsplattform 13.000 Datensätze betreffend Bitcoin-Anleger an den Internal Revenue Service IRS (Bundessteuerbehörde der USA) herausgegeben hat.

Sollten Umsätze oder Gewinne aus dem Handel mit oder dem Schürfen von Kryptowährungen steuerpflichtig sein und nicht deklariert werden, kann Steuerhinterziehung oder leichtfertige Steuerverkürzung vorliegen, was empfindliche Geldbußen und sogar Gefängnisstrafen nach sich ziehen kann. Vorsatz und damit Steuerhinterziehung, kann auch dann vorliegen, wenn jemand Gewinne nicht deklariert, obwohl ihm die mögliche Konsequenz der Steuerhinterziehung bewusst ist. Er nimmt den Taterfolg, dass das nicht auffällt, also billigend in Kauf.

Es empfiehlt es sich, gegenüber dem Finanzamt die Tätigkeit des Schürfens oder Handelns von Kryptowährungen anzugeben oder einen Steuerfachmann mit der Prüfung zu beauftragen. Wenn das Finanzamt Kenntnis der Erträge und Aufwendungen hatte, kann man später nicht der Steuerhinterziehung bezichtigt werden. Stellt man erst später fest, dass steuerpflichtige Gewinne aus entsprechenden Geschäften nicht in der Steuererklärung angegeben worden sind, bietet eine Selbstanzeige ggf. noch einen Ausweg.

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Für eingetragene Gewerbebetriebe und Kapitalgesellschaften die mit Kryptowährungen handeln oder diese schürfen ist die Sache klar. Alle Geschäfte sind gewerblich und müssen deklariert werden. Wer als Privatmann mit Bitcoins handelt vermutet oft nicht, dass er damit ein Gewerbe ausüben könnte. Um böse Überraschungen wie dem Vorwurf der Steuerhinterziehung zu vermeiden und evtl. Nachzahlungen, Zinsen und Strafen zu begrenzen, gilt es, das rechtzeitig von einem Steuerfachmann prüfen zu lassen und Belege zu sammeln. Die Grenze zwischen Gewerbe und privater Tätigkeit ist fließend. In § 15 Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes ist hierzu geregelt:

„Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.“

Kryptowährungen versus Dollar & Co – was ist die Zukunft?

  • Die Selbstständigkeit dürfte bereits erfüllt sein, wenn man seinen Miner selbst mit nativen Bitcoinclienten betreibt oder sich mit anderen in einem Mining-Pool zusammenschließt.
  • Nachhaltig ist eine Tätigkeit, wenn sie auf Wiederholung angelegt ist, also weitere Geschäfte geplant sind. Wer also nur zufällig einen Block findet, weil er eine Grafikkarte zu Testzwecken laufen lässt, handelt nicht nachhaltig. Wer dagegen unzählige Grafikkarten in seinen Server einbaut, um dauerhaft Mining zu betreiben, handelt nachhaltig.
  • Die Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr wird i.d.R. gegeben sein, da z.B. beim Einsatz der Bitcoins zum Bezahlen oder Tauschen eine Interaktion mit anderen Personen stattfindet. Andere vertreten die Auffassung, dass das nur vorliegt, wenn Personen ihre Miningtätigkeit gegen Entgelt anbieten, also die erzeugten Bitcoins selbst vermarkten oder Ihre Rechnerkapazität gegen Entgelt zur Verfügung stellen.
  • In der Regel wird es also darauf ankommen, ob die Absicht besteht, Gewinne zu erzielen oder ob es sich um bloße Liebhaberei handelt, die steuerlich unbeachtlich ist. Bei der Prüfung dieser Frage sind auch die mit dem Mining oder Trading in Zusammenhang stehenden Kosten zu berücksichtigen. Dazu zählen z.B. die Abschreibung der Hardware, Strom, ggf. Miete und Mietnebenkosten, Fahrtkosten, Literatur und Fortbildungskosten, IT Kosten in Zusammenhang mit dem Server, Verwaltungskosten, Kosten für Buchführung und Steuerberatung. Nur, wenn voraussichtlich über die gesamte Lebenszeit ein Totalgewinn erzielt wird, liegt ein Gewerbebetrieb vor. Die Schwierigkeit dabei ist, die Umsätze zu schätzen, da die Preise der Kryptowährungen stark schwanken. Sollten Anfangs Verluste entstehen, kann trotzdem ein Gewerbebetrieb vorliegen und es sollte darauf geachtet werden, dass diese vom Finanzamt festgestellt und vorgetragen werden, so dass sie später mit künftigen Gewinnen verrechnet werden können.

Sofern die vorgenannten Voraussetzungen vorliegen wird also beim Mining und Cloudmining i.d.R. eine gewerbliche Tätigkeit vorliegen. Einige Finanzämter vermuten inzwischen aufgrund der hohen Anfangsinvestitionen, dass Mining generell nachhaltig und mithin gewerblich betrieben werde.

Aber auch beim bloßen Handel mit Bitcoins & Co. kann die private Vermögensverwaltung schnell überschritten sein, wenn viel umgeschichtet wird, der Lebensunterhalt davon bestritten wird, ein hierfür eingerichtetes Büro unterhalten wird oder sogar Personal dafür eingesetzt wird. Ob in Ihrem Fall ein Gewerbebetrieb vorliegt oder nicht prüfen wir gerne für Sie anhand Ihrer individuellen Verhältnisse.

Liegt eine gewerbliche Tätigkeit vor, sollten Privatleute oder deren Steuerberater eine Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Gemeinde vornehmen und die Tätigkeit dem Finanzamt anzeigen.

Umsatzsteuerliche Behandlung

Umsatzsteuer ist, wenn überhaupt, nur auf Unternehmer anzuwenden. Der Europäische Gerichtshof hatte bereits 2015 entschieden, dass Umsätze mit Bitcoins unter die Steuerbefreiung für Devisen nach dem EU-Recht fallen. Da Bitcoins jedoch nicht als gesetzliches Zahlungsmittel gelten herrschte trotzdem Unsicherheit.

Mit Datum vom 27.2.2018 hat das Bundesfinanzministerium seine Meinung dazu kundgetan und bestätigt, dass es sich bei dem Umtausch konventioneller Währungen in Einheiten der sog. virtuellen Währung Bitcoin und umgekehrt um eine Dienstleistung gegen Entgelt i.S.d. Art. 2 Abs. 1 Buchst. c Mehrwertsteuersystemrichtlinie handelt, die unter die Steuerbefreiung nach Art. 135 Abs. 1 Buchst. e Mehrwertsteuersystemrichtlinie fällt. Das bedeutet im Einzelnen:

  • Der Umtausch von Bitcoin ist eine steuerbare sonstige Leistung, die nach § 4 Nr. 8 Buchst. b UStG umsatzsteuerfrei ist.
  • Die Verwendung von Bitcoin als Entgelt ist nicht steuerbar.
  • Bei Zahlung mit Bitcoin hat die Umrechnung zum letzten veröffentlichten Verkaufskurs (z. B. auf entsprechenden Umrechnungsportalen im Internet) zu erfolgen. Dieser ist vom leistenden Unternehmer zu dokumentieren.
  • Bei den Leistungen der Miner handelt es sich um nicht steuerbare Vorgänge.
  • Soweit Anbieter für die digitalen Wallets (elektronische Geldbörsen) eine Zahlung von Gebühren verlangen, liegen auf elektronischem Weg erbrachte sonstige Leistungen i.S.d. § 3a Abs. 5 Satz 2 Nr. 3 UStG vor, die nach Maßgabe des § 3a Abs. 2 bzw. Abs. 5 Satz 1 UStG steuerbar und steuerpflichtig sind, soweit der Leistungsort im Inland liegt (vgl. hierzu auch Abschnitt 3a.9a Abs. 1 bis 8 UStAE).
  • Stellt der Betreiber einer Handelsplattform seine Internetseite als technischen Marktplatz zum Erwerb bzw. Handel von Bitcoin den Marktteilnehmern zur Verfügung, handelt es sich um die Ermöglichung der rein EDV-technischen Abwicklung. Eine Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8 UStG kommt hierfür nicht in Betracht. Soweit der Betreiber der Plattform allerdings den Kauf und Verkauf von Bitcoin als Mittelsperson im eigenen Namen vornimmt, kommt die Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8 Buchst. b UStG in Betracht.
  • Der Umtausch virtueller Währungen in gesetzliche Zahlungsmittel und umgekehrt ist umsatzsteuerbefreit. Dies gilt nicht für virtuelles Spielgeld (sog. Spielwährungen oder Ingame-Währungen, insbesondere in Onlinespielen), da dieses kein Zahlungsmittel i.S.d. MwStSystRL darstellt.

Bei Zweifelsfragen sollte ein Umsatzsteuerfachmann hinzugezogen werden.

Ertragsteuerliche Behandlung

a) Handel durch Privatanleger

Bitcoins werden im Ertragssteuerrecht als immaterielle Wirtschaftsgüter behandelt. Werden diese dem Privatbereich zugeordnet liegen private Veräußerungsgeschäfte gem. § 23 EStG (früher auch „Spekulationsgeschäfte“ genannt) vor. Dabei wird der Gewinn aus der Differenz zwischen dem Veräußerungspreis und den Anschaffungskosten ermittelt. Eine Veräußerung liegt u.a. auch vor, wenn Kryptowährungen als Zahlungsmittel eingesetzt werden, über eine Handelsplattform gegen Euro verkauft oder in andere Kryptowährungen getauscht werden. Wurden die Bitcoins & Co. zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Kursen erworben sollten die Anschaffungskosten nach der FIFO (First-in-First-out) Methode ermittelt werden. Durch die Zuordnung zum Privatvermögen lassen sich ggf. Steuern sparen.

Veräußerungsgewinne bis 600 € pro Kalenderjahr bleiben steuerfrei. Darüber hinausgehende Gewinne sind nur dann steuerpflichtig, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als 1 Jahr liegt. Dabei gilt der individuelle Steuersatz des Anlegers und nicht der Abgeltungssteuersatz. Wer Kryptowährungen zur langfristen Geldanlage nutzt und nicht häufig umschichtet kann so Gewinne steuerfrei erzielen.

b) Mining durch Privatanleger

Privates, gelegentliches Mining ist als steuerlich unbeachtliche Liebhaberei einzustufen. Beim Verkauf selbst geschürfter Kryptowährungen innerhalb eines Jahres liegt auch kein privates Veräußerungsgeschäft vor, da keine Anschaffung, sondern eine eigene Herstellung vorlag.

c) Gewerbliche Tätigkeit

Wer die vorgenannten Kriterien erfüllt und als Gewerbetreibender eingestuft wird hat Einkünfte aus Gewerbebetrieb und muss alle Umsätze und Aufwendungen dokumentieren. Das gilt sowohl beim Mining als auch beim Handel mit Kryptowährungen. Hier sind die Gewinne unabhängig von Haltedauer und Höhe immer steuerpflichtig. Je nach Rechtsform ist das Einkommensteuergesetz oder das Körperschaftsteuergesetz anwendbar. Zum Nachweis aller Aufwendungen sind Belege zu sammeln und geordnet vorzuhalten. Die Gewinne oder Verluste ergeben sich als Differenz der Betriebseinnahmen und der Betriebsausgaben bzw. bei Bilanzierenden als Differenz der Erträge und Aufwendungen

Handelsrechtlicher Ausweis

Bitcoins sind abstrakt und konkret aktivierungsfähig. Es ist zulässig, sie als sonstige Vermögensgegenstände im Umlaufvermögen auszuweisen. Ist die geplante Haltedauer über ein Jahr sollte der Ausweis unter den erworbenen immateriellen Vermögensgegenständen im Anlagevermögen vorgenommen werden. Ob das auf andere selbst geschaffene Kryptowährungen auch zutrifft muss anhand der Technologie und Ausgestaltung der Rechte und Pflichten beurteilt werden.

Bei der Einnahmen-Überschussrechnung erfolgt keine Bilanzierung, da Bitcoins und Co. keine Wertpapiere darstellen. Die Anschaffungskosten können also sofort als Betriebsausgabe abgezogen werden.

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