Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich

Das Bundesministerium der Finanzen hat eine 56-seitige Analyse der wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich veröffentlicht. Wir geben Ihnen nachfolgend eine kurze Zusammenfassung.  Die Ländervergleiche mit Rechtsstand Ende 2017 erstrecken sich auf die EU-Staaten und einige andere Industriestaaten (USA, Kanada, Japan, Schweiz und Norwegen).

Die Aussagekraft der Steuerquoten ist begrenzt, weil die in den Vergleich einbezogenen Staaten ihre staatlichen Sozialversicherungssysteme in unterschiedlichem Ausmaß über eigenständige Sozialbeiträge (die nicht in der Steuerquote enthalten sind) oder aus allgemeinen Haushaltsmitteln, und damit über entsprechend hohe Steuern, finanzieren. Erst die Abgabenquote, die sowohl Steuern als auch Beiträge zur Sozialversicherung ins Verhältnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt setzt, ermöglicht einen gesamtwirtschaftlich sinnvollen Steuer- und Abgabenvergleich.

Laut BMF bewegt sich die deutsche Abgabenquote mit 37,6 % (in 2016) im oberen Mittelfeld. Die USA, Irland und die Schweiz weisen relativ niedrige Abgabenbelastungen auf (<30 %), während in den meisten skandinavischen Staaten, aber auch in Frankreich, Belgien, Italien und Österreich die Abgabenquote vergleichsweise hoch ist (>40 %).

Bei den Ausführungen zu der Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften sollte nur der Grafik auf Seite 18 und nicht der auf Seite 14 Beachtung geschenkt werden, da Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag mit eingerechnet werden müssen. Danach zeigt sich, dass Deutschland mit fast 30% Gesamtertragsteuerbelastung zu den Schlusslichtern gehört. Es gab 2017 international eine Tendenz zur Senkung der nominalen Körperschaftsteuersätze. Die in 2018 beschlossene US-Steuerreform wird sicherlich zu einem weiteren Steuerwettbewerb der Staaten führen. Auskunftsgemäß möchte die deutsche Bundesregierung daran aber nicht teilnehmen, sondern setzt auf den Ausbau der Digitalisierung und hofft auf europäische Lösungen, z.B. bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage.

Bei der Umsatzsteuer liegt Deutschland mit „nur“ 19% dagegen auf einem guten Platz im internationalen Steuerwettbewerb, da die Umsatzsteuersätze der anderen Staaten im Vergleich zwischen 17% und 27% liegen. Details finden Sie hier.

Verrechnungspreis-Seminar am 29. Mai in Zürich

Wie in den Vorjahren referierten Herr Prof. Dr. Kay-Michael Wilke und Oliver Biernat auch in diesem Jahr in der Schweiz zum Thema „Verechnungspreise und deren Dokumentation in Deutschland“. Veranstaltet wurde das Seminar wieder von der Handelskammer Deutschland-Schweiz. Teilnehmer waren die in Schweizer Konzernen mit deutschen Tochtergesellschaften für Finanzen bzw. Steuern Verantwortlichen sowie schweizer und deutsche Steuerberater, die sich näher mit Verrechnungspreisen auseinander setzen wollen.

Die Themen waren unter anderem: Die Rechtsgrundlage für Verrechnungspreise und aktuelle und zukünftige Entwicklungen in der EU und der OECD. Vielen Dank an alle Teilnehmer.

Selbstverständlich stehen wir allen Interessierten auch gerne außerhalb des Seminars zum Thema Verrechnungspreise mit unserer Expertise zur Verfügung.

6% Zinsen p.a. auf Steuernachzahlungen unzulässig

In seinem Urteil vom 25.4.2018 hat der BFH schwerwiegende verfassungsrechtliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verzinsung auf Steuernachzahlungen geäußert. Es fehle an einer nachvollziehbaren Begründung. Die Verzinsung soll Vorteile ausgleichen, die sich dadurch ergeben, dass Steuern zu spät entrichtet werden. Aufgrund der langanhaltenden Niedrigzinsphase ist es für Steuerpflichtige aber nahezu ausgeschlossen die zu zahlenden Zinsen durch Anlage der nicht gezahlten Steuerbeträge oder durch die Ersparnis von Aufwendungen zu erzielen. Der weitere Entwicklung bleibt abzuwarten, insbesondere, ob das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung aus dem Jahr 2009 revidieren und den Gesetzgeber verpflichten wird, die Verzinsung von Steueransprüchen zu überarbeiten und an die aktuell gültigen niedrigen Marktkonditionen anzupassen